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Nicht nur lernen, auch leben

Bad Aibling - Der Landkreis "möbelt" seine vier Berufsschul-Standorte Rosenheim (zwei), Wasserburg und Bad Aibling auf. Allein in der Kurstadt werden über 27,5 Millionen verbraten!

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c: Aldinger Architekten

Modell der "neuen" Berufsschule in Bad Aibling: Blick von Nordosten, Ecke Ellmosener-/Thürhamerstraße.

27,5 Millionen Euro, um die Staatliche Berufsschule an der Ellmosener Straße baulich und strukturell zukunftsfest zu machen. Das neue Konzept: die "Werkstatt" gleich am oder gar im Klassenzimmer. Zusammen mit der Planung präsentierte dies Architekt Prof. Jörg Aldinger jüngst dem Bauausschuss. Dieser stimmte dem Antrag des Landkreises zur Entwurfs- und Genehmigungsplanung zu.

Die Neuorganisation der Berufsschulen in Wasserburg sowie in Rosenheim (kaufmännische) ist bereits vollzogen, die Baumaßnahmen für die Gewerbliche Berufsschule (II) in Rosenheim sowie am Standort Bad Aibling laufen jetzt parallel.

Das Aiblinger Projekt ist in drei Bauabschnitte gegliedert: Phase 1 umfasst den Bereich Metall, Anlagentechnik und Bautechnik (Zimmerer), Abschnitt 2 betrifft den Neubau der Pausenhalle mit den Theoriebereichen Bautechnik und Magistrale (Medienkanal), abschließend folgt die Generalsanierung des Hauptgebäudes.

Im kommenden Frühjahr entsteht auf dem alten Parkplatz der Schule der erste Neubau, der zum Schuljahresbeginn 2011 bezugsfertig sein soll. Ersatzparkplätze werden bereits erstellt (wir berichteten). Dann auch weichen alte Gebäude (bis auf einen Pavillon) den neuen - alle eingeschossig und damit, wie beabsichtigt, städtebaulich nicht dominant. Die Erdgeschossigkeit macht nach Angaben des Planers die Räume zudem flexibel. "Man kann sie in zehn Jahren immer noch leicht umfunktionieren", so Prof. Aldinger.

Besonderheit: Werkstatt und Klassenräume sind aus einem Guss - durch Verbindungstüren gelangen die Schüler direkt in "ihre" Werkstatt oder aber diese ist in den Klassenraum integriert. Damit will man den Anforderungen eines modernen Unterrichts und den Lehrinhalten gerecht werden.

Es entstehen fünf neue Gebäude. Zusammen mit dem zentralen Haus an der Ellmosener Straße, das unter anderem isoliert wird, andere Fenster, Türen und eine Innenrenovierung bekommt, werden sie ökonomisch und unabhängig beheizt - per Hackschnitzelanlage. "Weg von Gas und Öl und hin zu nachwachsenden Rohstoffen", erläutert Gerhard Kippes, Leiter des Hoch-/Tiefbauamtes im Landratsamt, gegenüber unserer Zeitung. Man habe damit bereits beste Erfahrungen im Gymnasium Bruckmühl sowie beim Bauhof in Riedering gemacht.

Auf eins legten Aldinger Architekten (Stuttgart) bei der Neukonzeption der Berufsschule wert: Diese nicht allein als Lernstätte, sondern auch als einen Ort der sozialen Gemeinschaft zu schaffen. Deshalb werden die Bauten so angeordnet, dass ein rechteckiger Campus entsteht. "Eine soziale Mitte, wo Sport- und Freizeitveranstaltungen stattfinden können", erläuterte Prof. Aldinger.

Ähnlich den Rathaus-Arkaden ist ein überdachter "Rundgang" entlang von Campus und Gebäuden vorgesehen. Um die Schüler von "einer Flucht zu Döner und Co." abzuhalten, bekommt der Schulkomplex eine Mensa. "Die Leute sollen auf dem Campus gehalten werden, die Schule ein eigenes Leben bekommen", wünschen sich die Planer.

Viel Tageslicht wird in die Arbeitsräume strömen: So wird zum Beispiel die Ost-/Westseite geschosshoch verglast. Holzverschalungen vor den Glasfassaden und den Türen sind besonders geschützt, zum Beispiel auch durch Vordächer (Anfrage Stadtrat Richard Lechner, SPD) und das Schulgelände von allen Seiten erschlossen sein (Anfrage Dieter Bräunlich, ÜWG). Die Schüler-Fußgängerströme kommen hauptsächlich aus Richtung "Haltepunkt Kurpark" und damit von der Ellmosener Straße, wie Berufsschulleiter Anton Seitz bestätigte. Über die Thürhamer Straße ist Projektleiter Thomas Strähle zufolge die Kfz-Zufahrt vorgesehen. Hier befände sich auch der Schülerparkplatz (Lehrerparkplatz zur Ellmosener Straße hin).

"Die verwendeten Baustoffe am Schulzentrum demonstrieren die Berufsbilder: Beton, Ziegel, Holz, transparente Fasaden", so konstatierte Kippes mit dem weiteren Hinweis, dass der Landkreis für das Projekt 27,5 Millionen Euro ausgebe. Auslöser für die Baumaßnahme sei die Berufsschulreform gewesen.

Die Modernisierung im Berufsschulwesen hatte der Kreistag endgültig 2008 beschlossen - angestoßen auch durch den Rechnungshof, der auf Kostenoptimierung drängte. Dies hatte Baudirektor Alois Juraschek (Landratsamt) eingangs gegenüber dem Bauausschuss ausgeführt, der einstimmig (10:0) die Planung bejahte.

Die Ausbildungsrichtungen wurden bereits strukturiert: In Bad Aibling sind die Bauberufe (Maurer, Zimmerer) etabliert, die metallverarbeitenden Berufe und die Anlagentechniker (Heizung, Lüftung, Sanitär); verlagert wurden Kfz-Mechaniker-Klassen (Wasserburg) und Hauswirtschaft (Rosenheim).

Elke Wrede-Knopp (Mangfall-Bote)

 

Quelle: www.ovb-online.de vom 09.12.09

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